Manche Gewässer verliert man aus unbestimmten Gründen für einige Zeit aus den Augen. Obwohl sie gut befischbar sind und niemals Anlaß zur Klage gaben. Wenn Sie mich also nun fragen würden, warum ich die Vöckla für etliche Jahre nicht mehr besucht habe, könnte ich Ihnen keine Antwort geben.

Daher war es hoch an der Zeit wieder einmal dieses Gewässer neu zu entdecken. Gemeinsam mit meinem Freund Ernst Böhm, vielen Fliegenfischern durch seine Glaskunst gut bekannt, wollte ich sehen, ob die Vöckla noch in dem guten Zustand ist, wie ich sie in der Erinnerung hatte.
Die Vöckla entspringt nordöstlich von Mondsee. Gebildet aus mehreren Quellflüssen fließt sie zuerst Richtung Norden, und ab Frankenmarkt schließlich Richtung Osten. Sie passiert Vöcklamarkt, Timelkam und Vöcklabruck, um kurz danach in die Ager zu münden.
Aus verschiedenen Quellen hörte ich immer wieder über große Schäden, die der Kormoran dem Äschenbestand zugefügt haben sollte. Mit entsprechend geringen Erwartungen begaben wir uns daher ans Wasser. Aber ich will Sie nicht zu lange im Ungewissen lassen. Denn wir wurden mehr als positiv überrascht. Ich habe bereits an vielen, sehr guten Gewässern gefischt. Doch diese zwei Tage Fliegenfischen mit Ernst Böhm an der Vöckla sollten alles bisher Gewesene deutlich übertreffen.
Nachdem wir einen leichten Zugang zum Wasser gefunden hatten, stellten wir fest, dass es sehr bequem zu bewaten ist. Ein Umstand, der in meinem Alter als recht angenehm erscheint. Allerdings ist vorsichtiges Waten angesagt, da die Vöckla einen deutlich eingeschnittenen Flusslauf aufweist, und so vom Ufer praktisch nicht zu befischen ist.
Das Ufer bietet viel Abwechslung mit seichten und dann wiederum tiefen Stellen. Großteils ist das Wasser aber eher seicht und bewatbar. Teilweise beschatten große Büsche und Sträuche das Ufer. Unter den Steinen gibt es für die größeren Fische sehr guten Unterschlupf.
Obwohl wir im Mai unterwegs waren, überraschte uns der hervorragende Insektenschlupf zu dieser frühen Jahreszeit. Selbst im Hochsommer könnte es nicht besser sein. Von der Eintagsfliege bis zur Köcherfliege sahen wir stattliche und zahlreiche Exemplare. Dementsprechend fehlte es nicht an Ringen von steigenden Fischen. Die Fischerei auf Sicht ist für mich das Schönste an der Fliegenfischerei. Und dieser Leidenschaft konnte ich mich an diesen zwei Tagen voll hingeben. Mit präzisen Würfen, die teilweise nicht weiter als fünf Meter ausfallen müssen, und der richtigen Präsentation der Fliege ließen sich die kampfstarken und wunderschön gezeichneten Fische nicht nur einmal überlisten.
Die Wahl der richtigen Fliegen viel nicht wirklich schwer. Verschiedene CDC-Fliegen oder Parachute, jeweils mit dunklem Körper und Größen zwischen 14 bis 18 erwiesen sich als die fängigsten.
Und damit konnten wir die Gerüchte über Kormoranschäden mit Leichtigkeit entkräften. Ich habe bisher nicht viele Gewässer mit so guten Fangergebnissen erlebt. Und wie vorher bereits erwähnt, die Vöckla hat wirklich alles übertroffen. So fingen wir herrliche Äschen nicht unter 38cm bis zu 47cm. Außerdem gut gebaute und starke Bachforellen, die teilweise goldgelb gefärbt waren. Auch Bachsaiblinge hatten Appetit auf unsere dargebotenen Fliegen. Sowie wenige Regenbogenforellen, die in diesem Wasser deutlich in der Minderheit zu sein scheinen.
Wir befischten den von der Fischzuchtanstalt Alois Köttl in Neukirchen a. d. Vöckla bewirtschafteten und zirka sechs Kilometer langen Streckenabschnitt. Dieser erstreckt sich von Redl-Zipf flussabwärts in Richtung Timelkam. Unterteilt ist die Strecke in fünf verschiedene Abschnitte, eingeteilt von A bis E. Der Abschnitt D ist am kürzesten, alle anderen sind ungefähr einen Kilometer lang. In jedem Abschnitt sind löblicherweise pro Tag nur zwei Petrijünger zugelassen, so dass einem ungestörten Fischereitag nichts im Wege steht.
Der Streckencharakter ist in allen Abschnitten relativ gleich. Es würde mir daher schwer fallen einen bestimmten Abschnitt hervor zu heben oder zu empfehlen. Vor allem, da der Besatz an der gesamten Strecke wirklich hervorragend ist.
Die jeweiligen, gut markierten Streckenabschnitte sind strengstens einzuhalten. Das Fischen ist in allen Abschnitten ausnahmslos nur mit künstlicher Fliege und ohne Widerhaken gestattet. Eine Entnahme von Fischen ist nicht erlaubt.
Aufgrund der strengen Limitierung würde ich eine vorherige telefonische Terminvereinbarung mit Herrn oder Frau Köttl unbedingt empfehlen. Bei der Lizenzabholung werden € 50,- hinterlegt. Bei der Abmeldung erhält man € 20,- wieder zurück. Nur falls gegen die Lizenzbedingungen verstoßen wurde, wird diese Kaution einbehalten. Seriöse Fliegenfischer können also um nur € 30,- einen herrlichen Fischertag erleben.
Ich würde mich freuen, wenn auch Sie so schöne Stunden an der Vöckla erleben können und wünsche ein erfolgreiches Petri Heil, Ihr Karl Reisenbichler
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Lizenzausgabe:
Alois Köttl Fischzuchtanstalt
Redl 8
4872 Neukirchen a.d. Vöckla
Tel. 0043/7682/7203
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